Alle Jahre wieder…

Hallo zusammen,

diesmal blogge ich besonders weihnachtlich: Ich bin der zweite Tag in einem wunderbaren Adventskalender von Frauen für Frauen. Und es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Thema Selbstliebe, das ja bekanntlich ein unendliches ist, weshalb ich es für diesen Beitrag auf einen Kernaspekt reduziert habe. Man sieht ihn – und auch das ist neu – als einen Film. Sicherlich holprig, sicherlich nicht profi-made, aber trotzdem voller Freude und Ernsthaftigkeit für Sie und Euch erdacht.

Wer Lust hat, das im Film offerierte Geschenk zu gewinnen, der möge mir hier eine kurze Nachricht hinterlassen oder mir eine Mail unter farbemensch@gmx.de schicken. Ich freue mich auf Ihre und Eure virtuelle Post, die Gedanken dazu, Ihre und Eure Meinung.

Und falls sich die ein oder andere, sich selbst liebend, weiterbilden möchte: Im Basiskurs Malerei, beginnend im Januar 2017, ist ein Platz frei geworden. Alle Infos dazu findet man unter http://www.farbemensch.de.

Also los geht’s, hier ist der Link:

Ihnen und Euch allen von Herzen eine wunderschöne Vorweihnachtszeit und dann erfüllende heilige Tage und einen guten Jahreswechsel.

Herzliche Grüße,

Susanne Sperlich

weihnachtskerze

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Die Farben des Sommers

Wenn der Sommer da ist, verlagert sich das Leben ins Freie.

Jetzt ist die richtige Zeit, die ganze Welt um uns herum als Bühne und Leinwand zu betrachten. Kinder tun das instinktiv: Im Sandkasten entstehen Königreiche und ein großes Meer, ein Stück Holz wird zum Piratenboot, ein Stock zum Schwert des Rittes oder ein Loch im Boden zum Eingang in eine geheimnisvolle Höhle. Alles um sie herum ist pures Material und so füllen Löwenzahnblüten die Vorratskammern des Königs, Regenwürmer bevölkern die wilde See und Steine verzieren die Burg. Dabei wird gematscht, gesandelt, Blumen zu Salat zerpflückt und zum Sandkuchen gereicht.

Die kindlichen Spiele des Sommers sind, viel mehr als die im Winter, eine körperliche, sinnliche Erfahrung. Ein Kind, das den ganzen Tag draußen verbracht hat, kommt abends nach Hause, den Duft der Sonne in den Haaren und von Kopf bis Fuß reif für die Badewanne.

Und so sind die hier vorgestellten Farben des Sommers paradiesisch für alle Kinder, die es lieben, Farben nicht nur zu vermalen, sondern auch zu fühlen: Körperfarben und Straßenkreide zum Selbermachen. Das macht nicht nur Freude beim Malen, sondern schon bei der Herstellung.

Allen kleinen und großen Malern wünsche ich einen farbenfrohen, fröhlichen und rauschenden Sommer!

Ungiftige Körperfarben

2 Eigelb, Wasser, ungiftiges Farbpulver (z.B. von der Firma boesner in Neu-Ulm oder zerriebene Kreide, Lebensmittelfarbe o.ä.), flüssiges Glycerin (aus der Apotheke)

Eigelb verrühren und Wasser im Verhältnis 1:2 dazugeben. Farbpulver mit wenig Wasser zu einem dicken Brei vermengen und dann mit der Ei-Wasser-Mischung im Verhältnis 1:1 mischen. Jetzt noch einige Tropfen Glyzerin dazugeben – fertig! Je mehr Glyzerin die Farbe enthält, desto geschmeidiger wird sie und blättert nach dem Trocknen auf der Haut nicht ab. Die Reinigung erfolgt ganz einfach mit Wasser und Seife, manchmal muss schon etwas gerubbelt werden.

Selbstgemachte Straßenmalkreide

Weißes Gipspulver für Bastelarbeiten (bitte keine Mischungen aus Baumärkten verwenden, sondern reinen Gips z.B. Modellgips), Wasser, Farbpulver oder flüssige Farben (z.B. Fingerfarbe, Wasserfarbe, Lebensmittelfarbe, Möhrensaft, Rote-Beete-Saft), leere Toilettenpapierrollen, Malerklebeband

Papprollen auf einer Seite mit Alufolie und einer zweiten Schicht aus Papier abdecken und mit dem Malerband gut festkleben. Die fertigen Rollen mit der Öffnung nach oben in einen Teller stellen. Jetzt Gips mit Wasser nach Packungsanweisung anmischen (bei flüssigen Farben diese vorher zum Wasser geben), die Farbstoffe dazugeben und alles verrühren, bis ein mäßig fester Brei entstanden ist. Die Masse in die Rollen füllen und erstarren lassen. Das Papier entfernen, solange es noch feucht ist, dann die Kreiden endgültig trocknen lassen. Fertig!

 

Zeichnen ist Stille

Wenn Menschen in mein Atelier kommen, dann freuen sie sich auf Farbe. Die bunte Farbe…

Ich habe alle Farben im Regal, sogar Gold, Silber, Kupfer und die mit dem Perlmuttschimmer. Die Menschen baden darin. Sie vermalen die Farbe mit den Händen, es spritzt, die Farbe lernt das Fliegen. Sie nehmen auch die Pinsel und verstreichen die Farbe damit sanft auf der Fläche. Die Farbe ist cremig, fett und satt, manchmal flüssig, wässrig, durchsichtig.

Farbe ist Fülle. Doch es gibt Momente, da ist weniger mehr. Ich liebe das. Ich nehme dann einen Stift und zeichne.

Viele Menschen haben mit dem Zeichnen Schwierigkeiten. Sie haben regelrecht Angst davor, als würde der Stift ihnen Ihre Grenzen aufzeigen. Das, was sie meinen, nicht zu können, das empfinden sie als Bedrohung.

Sie liegen falsch. Zeichnen ist ein Wunder und ein Geheimnis. Zeichnen ist in Wirklichkeit ein Tor, durch das man gehen kann, sobald der Weg gefunden ist.

Ja, Zeichnen ist eine künstlerische Technik. Zeichnen ist lernbar. Zeichnen will, darf geübt werden. Zeichnen ist ein Anspruch an Disziplin und Durchhaltevermögen. Zeichnen kann zur Kunst werden. Aber vor allem ist Zeichnen eines – Stille.

Stille senkt sich über den Menschen, der sich hinsetzt, um zu zeichnen. Der den Stift in die Hand nimmt, den Kugelschreiber oder Bleistift, das Blatt Papier zurechtrückt. Der den Block aufschlägt, sorgfältig die Seite glättet und sich seufzend aufrecht hinsetzt.

Um dann den Blick auf das Objekt zu richten und damit nach innen. Um auszublenden, was um ihn herum existiert, was da ist, Lärm macht, ihn umspült.

Und dann die ersten Schritte zu wagen, den ersten Strich zu setzen, mutig, vielleicht auch zögerlich, tastend. Um hinzuschauen, was entstanden ist, und weiterzugehen. Weiter sich treiben zu lassen über eine Linie, eine schraffierte Fläche. Hinzusehen, wie eine farbige Linie langsam das Weiß des Blattes durchbricht, ablöst.

Alles verändert sich, wenn Du beginnst, zu zeichnen…

Mittendrin dann die Wildheit: Wut, Ärger, Unzufriedenheit, Du radierst, streichst durch, vernichtest, kritzelst, um noch einmal von vorne zu beginnen. Noch einmal hinschauen und jetzt erst die Schärfen erkennen. Die versenkten Punkte, die Ungenauigkeiten, die geheime Sprache des Gegenstandes vor Dir. Die Sprache des Lichtes auf ihm und die des Schattens. Wie im Leben. Licht und Schatten, Bruder und Schwester vielleicht, und es spiegelt sich in der Zeichnung das Leben auf einfachste Weise wider.

Und während der Zeichner noch tief Luft holt, immer noch tiefer geht in die Versenkung, gebiert er Stille. In sich. Stille. Da ist nichts mehr außer ihm und diesem einen Ding, dessen Form er zu erfassen versucht.

Das ist Zeichnen.

Zeichnen ist Stille.

Willst Du es probieren?